Glykämischer Index: 5 Gründe warum du den GI ernst nehmen solltest

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Unglaublich welchen Einfluss der Glykämische Index von Lebensmitteln auf unsere Ernährung hat. In diesem Beitrag wirst du einiges über den glykämischen Index erfahren, sowohl wie alles was dazu gehört. Sei gewarnt, es ist ein komplexes Thema, dass schnell für Verwirrung sorgt und etwas anspruchsvoll ist. Ein Mix aus verschiedenen Begriffen, sowie unterschiedliche Betrachtungsweisen sorgen für schnell für Unklarheit. Dieser Artikel soll dir Klarheit verschaffen über ein Ernährungsthema, welches oft unbeachtet bleibt, aber sehr hilfreich bei der Gestaltung einer Ernährungsumstellung sein kann. 

Welche Rolle spielt der glykämische Index? 

Verschiedene Begriffe und Abkürzungen zur Klärung

Ist das Thema neu für dich? Dann können die ganzen Begriffe abschreckend wirken, dabei haben manche Bezeichnungen dieselbe Bedeutung. 

  • Glykämischer Index wird oft glykämischer Wert genannt und mit GI oder GLYX abgekürzt. 
  • Dann gibt es noch die glykämische Last welche ebenso glykämische Ladung genannt wird und mit GL abgekürzt wird. 

Kurz zusammengefasst also 2 Dinge wofür es 7 unterschiedliche Begriffe gibt, die sicherstellen jeden Laien erstmal schön zu verwirren. 

Blutzucker bedeutet Glukose, welche nach dem Essen und durch die Verdauung ins Blut übergeht. Somit steht auch Blutzuckerwert für Glukosespiegel im Blut. 

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Was bedeutet glykämischer Index? 

Der glykämische Index, GI oder auch Glyx gibt uns eine Vorstellung davon, wie weit der Blutzuckerspiegel durch den Verzehr von Lebensmitteln mit Kohlenhydraten ansteigen kann. 

Für dein Verständnis: 

lebensmittel kombinationen reduzieren den glykaemischen index automatisch
Lebensmittel Kombinationen reduzieren den glykämischen Index automatisch

Unter den Nährstoffen sind hauptsächlich die Kohlenhydrate, welche den Glukosewert überhaupt ansteigen lassen. Eiweiß, Fett und Ballaststoffe (unverdauliche Kohlenhydrate sind) lassen den Blutzuckerspiegel kaum ansteigen. Daher dreht sich beim Thema GI immer alles um Kohlenhydrate. 

Durch das Verdauen von Kohlenhydraten geht Zucker bzw. Glukose ins Blut über und der Blutzuckerspiegel steigt an. Dabei zeichnet sich je nach Lebensmittel ein unterschiedliches Bild ab. Auch der Grad der (industriellen) Verarbeitung, sowie der Zubereitung und der Garmethode eines Lebensmittels spielen dabei eine Rolle. Somit kann der Zucker im Blut unterschiedlich schnell, sowie stark ansteigen. 

Umso mehr man ein Lebensmittel klein macht und erhitzt, desto weniger muss der Körper Aufwand für die Verdauung erbringen. Somit kommt Energie in Form von Glukose schneller und ungebremster in den Organismus. Fast die gesamte Energie einer Mahlzeit geht also mehr oder weniger auf einmal ins Blut über. 

Dabei kann man sagen, dass bei natürlichen und wenig verarbeiteten Lebensmitteln, der Blutzuckerspiegel langsamer ansteigt und insgesamt auch weniger stark ansteigt. Bei stark verarbeiteten, raffinierten und isolierten Nahrungsmitteln steigt der Glukosespiegel schneller an und erreicht höhere Werte. Also nicht nur schneller den Eiffelturm hinauf, sondern auch noch bis zu Spitze, anstatt langsamer und nur bis zur Mitte. 

Ein praktisches Beispiel dafür wäre, wenn man gekochte Kichererbsen mit gewöhnlichen Keksen vergleicht, die Weißmehl und Zucker enthalten. Der Verarbeitungsprozess des Zuckers besteht aus einer Reihenfolge von Verarbeitungen. 

Das Ursprungs-Lebensmittel war wahrscheinlich entweder Zuckerrohr oder Zuckerrübe. Irgendwann wurde daraus Zucker-Melasse gewonnen und daraus wurden dann noch sämtliche Mineralstoffe, Ballaststoffe und Vitamine entfernt, um am Schluss reinen weißen Kristallzucker zu erhalten. Würden wir die Zuckerrübe frisch essen wie eine Karotte, dann müsste diesen Prozess größtenteils unsere Verdauung erledigen, um an den Zucker und somit an die Energie zu kommen. 

(Zuckerrüben sind übrigens essbar und ein nährstoffreiches Gemüse.)

Dabei wird schnell klar, dass es eine Weile dauern würde, bis die zerkaute Zuckerrübe auch verdaut ist und der darin enthaltene Zucker vom Körper absorbiert und aufgenommen wurde. Das Ganze würde also wesentlich langsamer geschehen. 

Der Zucker im Blut kann also nur langsam ansteigen und der Wert muss zwangsweise insgesamt geringer ausfallen. Zu Blutzuckerspiegel-Spitzen kann es nur schwer kommen, da sich die ganze Glykämische Last über einen längeren Zeitraum gleichmäßiger verteilt. 

Es ist vergleichbar mit einer gewissen Menge Elektrizität mit der man einen Topf längere Zeit so erwärmt, dass man ihn gerade noch anfassen kann. Einen zweiten Topf erhitzt man kurze Zeit so heiß, dass man sich eine Verbrennung holen könnte. Man verbraucht dabei die gesamte Energie sofort und so schnell es geht. Für beide Töpfe wurden dieselben Mengen Energie bereitgestellt, aber verbrennen konnte man sich nur an einem Topf. Dieser Topf hatte eine hohe Temperatur-Spitze, war aber nur relativ kurz heiß. Der andere blieb länger warm, wurde aber nicht gefährlich heiß. 

Bei unseren Kichererbsen ist es ähnlich wie mit dem warmen Topf. Sie enthalten ungefähr 11 % Zucker und somit sogar mehr als Zuckerrüben, welche ungefähr 7 % Zucker haben. Jedoch ist der Zucker in den Kichererbsen fest eingeschlossen und umgeben von Ballaststoffen, anderen komplexen Kohlenhydraten, Proteinen und Mineralstoffen. Bei den Zuckerrüben ist das übrigens auch nicht anders. 

Somit hat der Zucker in den Kichererbsen nicht denselben Effekt wie der pure raffinierte Zucker, den man aus der Zuckerrübe herausgeholt und dann wieder in die Kekse hinein gegeben hat. Würde man aber die Zuckerrübe unverarbeitet und ganz essen, wäre der Effekt ähnlich langsam wie bei den Kichererbsen. 

isolierte lebensmittel sorgen fuer einen staerkeren anstieg des blutzuckerspiegels
Isolierte Lebensmittel sorgen für einen stärkeren Anstieg des Blutzuckerspiegels

Es kommt dabei auf die Verarbeitung und Isolation der Kohlenhydrate bzw. des Zuckers an. Mit Isolation ist gemeint, dass der Zucker von den anderen Nährstoffen getrennt und isoliert wurde. Der Zucker ist nun nicht mehr tief verbunden mit den Ballaststoffen und den komplexen Kohlenhydraten. 

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Ist es egal welche Art von Kohlenhydraten wir essen?

Wenn man das Ganze jedoch aus einer anderen Perspektive betrachtet, dann kommt die Frage auf, ob vielleicht sogar gar keine Rolle spielt, ob wir komplexe oder einfache Kohlenhydrate zu uns nehmen. 

Das ist verwirrend 

Bisher haben wir besprochen, dass Kohlenhydrate, die langsam verdaut werden, besser sind, weil der Blutzucker langsam ansteigt. Soweit klingt das logisch und macht Sinn. 

Aber halt mal! 

Wenn nun der Glukosespiegel zwar niedriger ist, aber länger vorhanden ist, dann ist das doch unterm Strich die gleiche Menge Glukose, die ins Blut übergeht, oder? Ein einfacher Vergleich wäre Folgender: Stellen wir uns vor, dass du zwei 5 Liter Eimer vollständig mit Wasser befüllst und über einer Badewanne aufhängst. 

In den einen Eimer bohrst du ein Loch und durch dieses fließt das Wasser innerhalb weniger Minuten langsam heraus bis der Eimer leer ist. Den anderen Eimer kippst du einfach um und schüttest somit das gesamte Wasser auf einmal aus. Egal wie unterschiedlich schnell nun beide 5 Liter Wasser in die Wanne fließen, es sind in beiden Fällen immer 5 Liter. 

Und hierin liegt der Hund begraben 

Mit den Kohlenhydraten ist es nahezu ähnlich, denn ob sie nun langsam oder schnell verdaut werden, es kann sich dabei um dieselbe Menge von Kohlenhydraten handeln, die letztendlich dieselbe Menge an Insulin Ausschüttung bedeutet. 

Also nehmen wir an, wir essen zu unterschiedlichen Zeiten 2 Mahlzeiten mit jeweils 100 g Zucker oder Weißmehl und dann so viele Linsen mit einem Wert von 100 g komplexen Kohlenhydraten. 

Unterm Strich nimmt der Körper dieselbe Menge Kohlenhydrate auf, auch wenn es unterschiedliche Kohlenhydrate sind. Auch wenn wir Zucker oder Weißmehl als schlechte Kohlenhydrate betrachten und einmalig gekochte Kichererbsen als gute Kohlenhydrat-Quelle sehen, dann sind es dennoch in diesem Beispiel dieselbe Menge an Kohlenhydraten. 

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Bild: © lilechka75 / adobe.stock.com

Was ist nun die glykämische Last? 

Was denn nun? Glykämische Last oder glykämische Ladung? Tatsächlich ist hierbei ein und dasselbe gemeint. Die glykämische Ladung beschreibt die Kohlenhydrat-Dichte eines Lebensmittels. Bei der praktischen Umsetzung ist oft leichter mit diesem Wert zu arbeiten, da dieser immer fest ist. Während der GI hingegen je nach Garmethode oder Grad der Verarbeitung unterschiedlich ausfallen kann. 

Womöglich ist die glykämische Last wichtiger, als der Index. Denn der GI ist nur ein Wert, nach dem man sich richtet und die glykämische Last, ist das, was letztendlich im Körper ankommt. 

Warum der glykämische Index nicht direkt das Maß aller Dinge ist

Ein gutes Beispiel dafür, wie man die glykämische Last besser verstehen kann, sind Karotten und Wassermelonen. Beide Lebensmittel haben einen durchschnittlich relativ hohen GI. So entdeckt man in so mancher Glyx Tabelle, dass die Karotte im gekochten Zustand einen GI von über 80 und hat. Die Wassermelone hat im gewöhnlichen Zustand einen Glykämischen Wert von durchschnittlich 70-80. 

Das lässt auf den ersten Blick vermuten, dass beide Lebensmittel vielleicht doch mit gewisser Vorsicht zu betrachten sind, oder? Immerhin sind das (abgesehen vom Kochen der Karotte) unverarbeitete Lebensmittel. Also wie soll man das nun verstehen? 

Hierbei haben wir zum einen die Melone mit ihrem süßen fruchtigen Saft. So ein Stück davon muss man nur etwas drücken und schon läuft der süßliche Saft heraus. Dieser Fruchtsaft enthält Fructose und geht nach dem Verzehr schnell ins Blut übergeht. 

Das macht den Unterschied 

Jedoch muss man genau hinsehen. Die Wassermelone hat durchschnittlich gerade mal 5 g Kohlenhydrate und die Karotte durchschnittlich 8 g Kohlenhydrate pro 100g. Der niedrige Gehalt an Kohlenhydraten sorgt insgesamt für eine geringere Kohlenhydrat-Last bzw. glykämische Last. 

Übertrieben ausgedrückt könnte man sagen: Die Glukose steigt schnell an, aber nur ganz kurz, weil die Kohlenhydrate zwar süß aber eben nur sehr gering vorhanden sind. 

Wie berechnet man die glykämische Last? 

GL = Glykämischer Index durch 100 mal Kohlenhydrat-Menge der Mahlzeit, je Menge. Gl=glyx/100*Kh

Nimmt man hier wieder Schokolade und Kartoffeln, sieht man, dass der Wert bei Schokolade nun im roten Bereich liegt, der Wert der Kartoffeln aber nicht. Interessant sind diese Werte für Menschen mit Diabetes oder bei spezieller Ernährung, z.B. Diät. 

Ein Kickstart von Null auf Hundert 

Wie oben beschrieben, können wir erkennen, dass beim Essen und Verdauen von ganzen und echten Lebensmitteln die Zeit eine wichtige Rolle spielt. Stark verarbeitete Lebensmittel können den Blutzucker rasant in die Höhe treiben. Das ist ähnlich vergleichbar mit einem leistungsstarken Auto, dass in kürzester Zeit von null auf Hundert beschleunigen kann. 

Ist das gut? 

Vielleicht klingt das unspektakulär, allerdings scheint es, als würde unser Körper für solche Glukose-Kickstarts nicht gemacht sein. Immerhin gab es solche Umstände die letzten paar Hunderttausend Jahre, während unserer Evolutionsgeschichte wahrscheinlich nicht. 

All unsere Vorfahren kannten keine industriell verarbeiteten Lebensmittel, von denen sie ständig umgeben waren. Dementsprechend hatte unsere Spezies auch keine Zeit, sich an diese Umstände anzupassen. (Womöglich brauchen wir noch 200.000 Jahre bis sich unsere Körper an unsere modernen Essgewohnheiten gewöhnt haben.) 

Essen wie eine Pferdekutsche, nicht wie Porsche 

Kichererbsen kommen mit einem Glykämischen Index von 30 GI daher, wenn sie einfach nur gekocht sind. Dabei können sie selbst gekocht oder aus dem Glas sein. Bei Kichererbsenmehl verändert sich der Wert und erhöht sich auf 35 GI. 

Im Vergleich dazu hat einfacher Haushaltszucker einen Glykämischen Wert von 65 GI und Rohrzucker einen GI von 70. Die damit gebackenen Butterkekse haben ungefähr einen Glyx von 53. Es macht einen deutlichen Unterschied, ob man seine Kohlenhydrate aus einer Portion Kichererbsen oder einer Portion Butterkekse bezieht. 

Natürlich, das sind Äpfel mit Birnen verglichen 

Schon klar, in der Regel müssen uns nicht zwischen Kichererbsen oder Keksen entscheiden. Dieser Vergleich sollte nur dafür dienen, den Unterschied zu erkennen. Immerhin lässt sich das gut auf viele anderen Lebensmittel übertragen. 

So hat ein frischer Apfel einen Glykämischen Index von 35 GI und eine Brezel vom Bäcker einen Glyx Wert von 83. Die meisten Obstsorten haben einen relativ niedrigen glykämischen Wert. Am besten schneiden aber Gemüse, Hülsenfrüchte und Nüsse ab und haben durchschnittlich niedrige Glyx Werte. 

Verarbeitete Lebensmittel haben meist einen höheren glykämischen Wert. Dabei fällt auf: „Jeder Verarbeitungsschritt erhöht den Glykämischen Index bei Lebensmitteln“. Kichererbsen haben einen GI von 30, Kichererbsenmehl einen GI von 35. mit Schale gekochte Kartoffeln haben einen GI von 65 und frittierte Pommes Frites einen GI von unfassbaren 95. Damit scheint es deutlich klar zu sein: „Mit Pommes Frites ist dein Glukosespiegel wie im Porsche und kann ordentlich Gas geben.“  

Der Glykämische Index unterleigt Schwankungen 

Wenn du nach Ergenissen für glykämischen Index von Lebensmitteln suchst, dann wirst höchstwahrscheinlich auf unterschiedliche Ergenisse stoßen. Dabei solltest du diese Werte immer als Richtwert betrachten, weniger als bare Münze. 

Stell dir vor,… 

Abnehmen mit niedrigem glykämischen Index 

Grundsätzlich kann man sagen, ein niedriger glykämischer Index in Lebensmittel kann sehr gut helfen, dauerhaft unerwünschte Kilos loszuwerden. Zum Abnehmen sind jedoch mehrere Faktoren entscheidend. Meist reicht es nicht, sich nur auf einen Punkt zu fixieren und damit zu hoffen, dass alleine dadurch alles überschüssige Körperfett verbrannt wird. 

So gerätst du in den Teufelskreis 

Aber scheinbar ist der glykämische Index bei Lebensmittel, einer der effektivsten Faktoren für die Gewichtsabnahme. Denn Hunger, insbesondere schnell wiederkehrender Hunger verleitet schneller dazu, mehr Kalorien aufzunehmen und Nahrungsmittel zu essen, die dem Gewichtsverlust untergraben. Wer hungrig ist und womöglich Heißhunger hat, der tut sich schwerer zuckerreichen Süßigkeiten zu widerstehen. 

Ein niedriger GI soll hierbei nicht dabei helfen, besonders wenig zu essen oder zu hungern. Es geht vielmehr darum, dass man von Heißhunger nicht davon abgehalten wird, die richtigen Lebensmittel zu essen und somit häufiger zu Gemüse zu verwenden. Wer weniger die Geißel des eigenen Hungers ist, der hat mehr Kontrolle darüber wie man Entscheidungen trifft bei der Nahrungsmittel-Wahl. 

Das solltest du vermeiden

Sehr oft haben industriell verarbeitete Lebensmittel einen höheren glykämischen Wert als die, welche wir direkt unverarbeitet aus der Natur kommen. Pulverisierte, erhitzte und vorgegarte sind oft viel schneller verdaut, womit sie für einen schnelleren Anstieg der Glukose beitragen. Dabei kommt hinzu, dass diese Produkte oft eine Art Schwamm-Effekt haben und Fett aufsaugen ohne, dass man es erkennen kann. Man sieht beispielsweise einem Toastbrot nicht an, dass Fett und Zucker beigemischt wurde. Es ist nicht fettig.  

Man könnte regelrecht immer weiter essen, aber wird nicht wirklich satt und zufrieden. Das Fatale daran ist, dass man nicht merkt wie viel Kalorien man in sich hinein-mampft. Zudem kommt auch, dass diese Produkte oft viel weniger Mineralstoffe, Vitamine und Spurenelemente haben. Somit essen und essen wir, verhungern aber dennoch irgendwo auf bestimmte Art und Weise. 

Können wir wirklich mit geringerem Gl abnehmen? 

Ab sofort Lebensmittel zu bevorzugen, die einen niedrigen GI haben und damit Heißhunger oder überflüssigen Hunger einzudämmen klingt logisch und sinnvoll. Aber funktioniert das so einfach? Vielleicht müssen hierbei noch eine andere Sachen berücksichtigen. Und zwar die Insulin-Reaktion. 

Glykämischer Index ist nicht gleich Insulin-Index 

Jeder der sich das erste Mal genauer mit dem Thema beschäftigt bekommt hiervon wahrscheinlich einen rauchenden Kopf. Wir haben wahrscheinlich schon alle irgendwas über den glykämischen Wert von Lebensmitteln gehört und dass man darauf achten sollte, diesen möglichst niedrig zu halten. Meisten enden hier dann die Ernährungsempfehlungen von Ernährungsratgebern. 

Allerdings fängt es hier jetzt erst an spannend zu werden. Stellen wir uns vor: Ein Lebensmittel wie beispielsweise eine Portion gekochte Salzkartoffeln hat einen glykämischen Index von durchschnittlich 70 und lässt somit den Glukose-Wert im Blut auf 70 ansteigen. Dann löst dies nun eine Insulin-Reaktion des Körpers bzw. der Bauchspeicheldrüse aus. 

Aber bedeutet nun eine GI von 70 auch automatisch einen Insulin Index von 70? Oder anders gefragt: Was bedeutet ein GI von 70 für die Insulinausschüttung und lösen Kartoffeln mit einem GI von 70 dieselbe Insulin-Reaktion wie Bananen mit einem GI von 70 aus? 

Also kann es sein, dass der Blutzuckeranstieg nicht immer im selben Verhältnis zum Insulin-Anstieg stattfindet? Wenn das so wäre, dann wäre die ganze Theorie vom Glykämischen Index weitaus weniger aussagekräftig. 

Die ganze Ernährung-Gequatsche um den GLYX-Wert wäre dann plötzlich gar nicht mehr so relevant. Allerdings reicht das Halbwissen bis hierher aus, um zahlreiche Laien über das Internet mit etlichen Ernährungstipps zu beeindrucken und Diät Ratschläge zu verkaufen. (Ich muss hierbei zugeben, ich war früher auch einer davon und habe zahlreiche Ernährungstipps auf Instagram gepostet, ohne zu wissen, wie wenig ich eigentlich selbst weiß) 

Was ist denn nun bitteschön der Insulin-Index? 

Sicher. Jetzt qualmt langsam die Birne und die Zweifel ob sowas wie gesunde Ernährung überhaupt noch gibt, werden langsam lauter. Irgendwas Süßes mit reichlich Zucker, wäre jetzt gerade das Richtig. Ein Snickers, ein Magnum Eis oder eine Tüte Chips wären jetzt wohl schneller Balsam für die Nerven. 

Hierbei liegt übrigens das Problem. Wir leben in einer Welt, in der wir umgeben sind von Nahrungsmitteln, die wir nur selten essen sollten. Im Kopf haben wir ein Gehirn, dass uns vor lauter Überlebensdrang ständig auffordert diese Sachen zu essen – weil wahrscheinlich so schnell so eine reichliche Energiequelle nicht mehr vorhanden sein wird – zumindest war es in der Steinzeit, sowie einige Zeit danach und davor so. Mit einem Steinzeit-Hirn in einen modernen Supermarkt aus dem Informationszeitalter gehen, wo Nahrungsmittel, die wir nur selten Essen sollten, im Übermaß vorhanden sind. Besser gesagt, Nahrungsmittel, an die wir nur geringfügig angepasst sind. Verdammt wir haben so gut wie verloren und sind den Umständen regelrecht ausgeliefert. Ohne eine gewisse Menge an richtiger Information, ein paar guter Ratgeber und einer gewissen Selbstdisziplin können wir fast nur verlieren. 

Okay jetzt aber weiter im Text 

Was machen denn nun die energiereichen Nahrungsmittel mit den vielen schnell verdaulichen Kohlenhydraten mit unserem Steinzeit-Körper? Die moderne Ernährung der westlichen Welt kann, wenn sie vor allem aus vielen leicht verdaulichen Kohlenhydraten wie Zucker besteht, treibt unseren Glukosespiegel und somit den Insulin permanent in die Höhe. 

Insulin ist ein stark einflussreiches Hormon, das zahlreichen Funktionen im Körper hat. Dabei ist es vor allem ein Aufbau- sowie Regulations-Hormon, welches Fette, Proteine und Kohlenhydrate im Körper zuteilt. Wenn aber ein zu hoher Bau-Trieb herrscht, dann werden zu viele Baustoffe eingebaut. Alles gerät aus dem Gleichgewicht. 

Die Kohlenhydrate spielen dabei die wichtigste Rolle. Denn Fett und Eiweiß lassen das Insulin kalt und rufen keine vergleichbare Reaktion hervor. Sobald durch den Verzehr von Kohlenhydraten, Glukose in unser Blut übergeht, muss der Körper Insulin ausschütten, um den Glukosegehalt zu regulieren. Denn das Insulin hat unter anderem auch die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass der Glukose-Wert also der GI im Blut im grünen Bereich bleibt. Im grünen Bereich? Ja absolut! 

Der Glukosewert im Blut sollte nicht zu niedirg und nicht zu hoch sein. Der Ideale Wert liegt bei .. 

Ist Insulin im Blut notwenig? 

Sollte man nur lieber gar keine Kohlenhydrate essen? 

Die Kohlenhydrate an sich sind nicht das Problem. Jedoch stellt sich die Frage wie natürlich es ist, so viel Kohlenhydrate die verarbeitet und schnell verdaulich sind, in so hohen Frequenzen zu essen. 

Es geht besser, wenn es nicht darum geht, dass es perfekt geht 

In Anbetracht der Tatsachen drängt sich diese Frage natürlich schnell auf. Aber die panische Fluchtreaktion auf Kohlenhydrate zu verzichten stellt kaum eine realistische Lösung dar. 

Wir müssen versuchen die Lebensmittel mit den stark verarbeiteten, pulverisierten, herausgelösten Kohlenhydraten zu erkennen. Anstelle dieser, müssen wir die möglichst unverarbeiteten Varianten bevorzugen. 

Anstelle von Weißmehl-Produkten: 

Dinkelkörner – Dinelmehl 

Weizenmehl – Weizenvollkornmehl 

Apfel – Apfelsaft 

Cola – Wasser 

Kichererbsenmehl – kichererbsen 

Gemüse-Anteil hochfahren 

eines steht jedoch fest

Auch wenn ein Glykämischer Index von 70 nicht zugleich einen Insulin Index von 70 bedeutet, dann rufen dennoch die Lebensmittel mit hören GI eine meist höhere Insulin-Reaktion hervor. Auch, wenn diese abweichend und nicht gleich ist. 

Insulinresistenz 

Jetzt gerade wird mir klar, dass hoher GI nicht automatisch stärker säurebildendes Lebensmittel bedeutet. Ich habe vorhin Vollkornnudeln gegessen und Kaffee getrunken. Nun hab ich spürbares Sodbrennen und wundere mich, da ich ja den GI im Blick hatte. Dabei fällt mir ein, dass bei allem Gerede von GI und Blutzucker nie die Rede von Säure und Basen ist. Daher vertrag ich die Banane so gut und fühlt sich Mango für mich richtig an, auch wenn der GI relativ hoch ist. Denn das Obst bildet trotzdem keine Säuren, die mir Sodbrennen und Unwohlsein bescheren. Sondern im Gegenteil. 

Laut der Labor-Assistentin aus der Geriatrischen Klinik, wird der Blutzuckerspiegel meist nach 30-60 Minuten gemessen, nachdem eine Mahlzeit zu sich genommen wurde. Dabei fallen bei gleichen Mahlzeiten oder Lebensmitteln die GIs der Leute individuell sehr unterschiedlich aus. Darum sind GI werte immer nur Richtwerte, die bei jedem sehr unterschiedlich ausfallen können und werden. Doch Blutzucker messen ist eine einfache Sache und kann von jedem selbst gemacht werden. Die Geräte dafür sind auch wenig Geld überall erhältlich. So kann jeder selbst testen welchen GI eine Banane oder eine Portion Salzkartoffeln bei ihm hervorrufen. 

Labor-Analysen sind teuer. Wer jedoch vom Hausarzt zum Allergologen geschickt wird, der über diesen ein Lebensmittel, welches man nicht verträgt, im Labor testen lassen, was dann eventuell die Krankenkasse übernimmt. Der Name verrät schon, dass dieser Facharzt für Allergien zuständig ist. 

Yasty Chef Matthias Müller - Koch für gesunde Rezepte und Ernährungspläne

Der Autor

Matthias Müller

Hi, mein Name ist Matthias. Ich bin ausgebildeter Koch und habe jahrelang in Restaurant gearbeitet. Der Arbeit im Restaurant habe ich den Rücken gekehrt, damit ich meine Vision für gesunde Ernährung verwirklichen kann.